Vinzenz-Blätter

Titelblatt

Jahrbücher des Vereins vom Heiligen Vincenz von Paul Köln 1. 1851 – 63. 1911
Vinzenz-Blätter Köln 1. 1912/13 – 27. 1939,9/10
Zeitschrift für vinzentinische Caritas

(Freie Wohlfahrtspflege; 15)

Darin enthalten:
S[ank]t-Vinzenz-Kalender für Mission und Caritas. Jahrbuch des Vinzenzvereines in Deutschland 1 (=16,12 von Vinzenz-Blätter), 2 (=17,10 von Vinzenz-Blätter); Vinzenz-Vereins-Kalender; Jahrbuch des Vinzenzvereins in Deutschland 3 (=18,8/9 von Vinzenz-Blätter), 4= (19,9 von Vinzenz-Blätter)

ca. 20.100 Seiten auf 256 Mikrofiches
Februar 2008, ISBN 978-3-89131-497-5

Silber negativ: EUR 1.740,– (ohne Mwst.) / EUR 2.070,60 (inkl. Mwst.)

1845 wurde die erste deutsche Vinzenzkonferenz in der Pfarrei St. Ludwig in München gegründet. Zuvor war 1833 die erste Vinzenzkonferenz in Paris unter maßgeblicher Beteiligung von Friedrich Ozanam, damals Student, später Professor für Handelsrecht und Literaturwissenschaft an der Sorbonne, gegründet worden. Im Geist des Vinzenz von Paul (1581–1660), der sein Leben in den Dienst der Fürsorge für Arme und Kranke gestellt hatte, verschrieb Ozanam sich leidenschaftlich der Hilfe für Notleidende. Er griff das Charakteristikum der Fürsorge für Bedürftige des Vinzenz von Paul auf, nämlich die Hilfsbedürftigen durch Helfer aus der näheren Umgebung betreuen zu lassen und in den eigenen vier Wänden zu besuchen. Zugleich verband Ozanam aber diese Form caritativer Einzelhilfe mit der Idee einer gemeinschaftlichen Nächstenliebe und rief dazu auf, die spontane und isolierte Zuwendung Einzelner gemeinschaftlich zu koordinieren und durch sogenannte Konferenzen zu organisieren. Zwei Jahrhunderte nach Vinzenz von Paul, in der Zeit des Frühkapitalismus, sah er darüber hinaus bereits die Notwendigkeit, daß die privaten Formen der Hilfe durch engagierte Laien durch eine staatliche Fürsorge ergänzt werden müsse. Daraus resultierte sein vielfältiges sozialpolitisches Engagement. In Deutschland erfuhr die vinzentinische Bewegung durch den ersten Katholikentag 1848 in Mainz einen deutlichen Aufschwung. Es folgte die Gründung von mehreren Vinzenzkonferenzen im Rheinland. 1904 waren bereits 800 Konferenzen im Vinzenzverein für Deutschland zusammengeschlossen. 1907 kam es zu einer Neuorganisation. Ein Zentralausschuß aus den Präsidenten der neu gebildeten Diözesanräte, welche die bisherigen Provinzialverwaltungsräte ablösten, leitete den Verband. Präsident des Verbandes war der jeweilige Diözesanratsvorsitzende des Erzbistums Köln. Ein Generalsekretär wurde berufen und jährliche Generalversammlungen abgehalten.

Vom Generalsekretariat wurden seit 1912 die Vinzenz-Blätter als eigene Verbandszeitschrift herausgegeben. Bis dahin waren die Jahrbücher des Vereins vom Heiligen Vinzenz von Paul mit Genehmigung des Generalrates der weltweiten Vinzenz-Gemeinschaft in Paris als wortgetreue deutsche Übersetzung des Bulletin de la Société de
St. Vincent de Paul – beginnend 1851 mit der Übersetzung des 3. Jahrgangs des Bulletin bis 1911 – durch den Provinzialrat des Vereins für Rheinland und Westfalen, später durch den Oberverwaltungsrat für Rheinpreußen herausgegeben worden. Sie enthielten am Ende der monatlichen Lieferungen jeweils eine »Zugabe für die deutschen Conferenzen«. Wie die Jahrbücher dienten die Vinzenz-Blätter der Verbreitung des vinzentinischen Gedankens und der Pflege des Zusammenhangs mit der internationalen Vinzenz-Bewegung, aber als eigenständige Zeitschrift des deutschen Vinzenzvereins konnten die Vinzenz-Blätter den deutschen Verhältnissen ausdrücklich Rechnung tragen und so die Koordination der Arbeit und den Zusammenhalt der Konferenzen in Deutschland und den Gedankenaustausch zwischen den Mitgliedern weiter fördern und stärken. Ausdrücklich wurden die örtlichen Konferenzen aufgefordert, Berichte und Mitteilungen zu liefern. Auch sollte der Elisabethverein als »Schwesterverein« genügend Berücksichtigung finden.

Seit 1916, als der im Jahr 1897 gegründete Deutsche Caritasverband als Vertretung der katholischen Caritas in Deutschland von den deutschen Bischöfen anerkannt wurde, ist der Vinzenzverein für Deutschland ein Fachverband des Deutschen Caritasverbandes. Der Verband wuchs bis in die dreißiger Jahre auf 900 Konferenzen an, in denen 13.000 Mitglieder tätig waren. Er war damit einer der größten katholischen Laienverbände. In der Zeit des Nationalsozialismus verringerte sich die Zahl der Konferenzen drastisch. 1945 wurden nur noch 280 Konferenzen gezählt.

Die Vinzenz-Blätter mußten auf Druck der nationalsozialistischen Machthaber zu Beginn des Krieges im September 1939 das Erscheinen einstellen. Als Ersatz wurde vom Generalsekretariat bereits seit 1939 (bis 1949) der Rundbrief des Vinzenzvereins Deutschlands herausgegeben, um die Information und die Verbindung unter den Konferenzen und Mitgliedern, wenn auch in deutlich geringerem Maße, aufrechtzuerhalten.