Wilhelm von Humboldts sprachwissenschaftliche Bibliothek an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

Wilhelm von Humboldt

261 Werke mit zusammen 104.500 Seiten
incl. MAB2- oder MARC21-Daten

Online

2012, ISBN: 978-3-89131-522-4
Erwerb: EUR 8.280,– (exkl. Mwst.) / EUR 9.853,20 (inkl. Mwst.)
Jahreslizenz: EUR 828,– (exkl. Mwst.) / EUR 985,32 (inkl. Mwst.)
Zur Online-Edition

Mikrofiche Edition

1.264 Mikrofiches, 2000, ISBN 3-89131-480-7
Silber negativ: EUR 8.280,– (ohne Mwst.) / EUR 9.853,20 (inkl. Mwst.)
Katalog

Titelblatt: Arte de la Lengua general del Reyno de Chile

Titelblatt: El impossibile vencido. Arte de la lengua bascongada

Titelblatt: Specimens of a dialect of the Aborigines of New South Wales

Anquetils Zend-Alphabet

Wilhelm von Humboldts sprachwissenschaftliche Bibliothek ist eine wissenschaftlich einzigartige Sammlung

Angesichts ihrer wechselvollen Geschichte ist es geradezu erstaunlich, daß ein großer Teilbestand dieser Bibliothek heute noch im Original erhalten ist. Entsprechend Humboldts Verfügung ging sein Nachlaß an die heutige Staatsbibliothek zu Berlin. Dort war ein großer Teil der Werke allerdings schon vorhanden, und die entsprechenden Humboldtschen Exemplare wurden ausgesondert und abgegeben. Die Bände wurden unter mehreren Bibliotheken verteilt, ein großer Teil – etwa die Hälfte des ursprünglichen Bestands – gelangte an die damals erst wenige Jahre alte heutige Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität. Die an der Staatsbibliothek verbliebenen Bücher sind seit der Auslagerung im Zweiten Weltkrieg größtenteils verschollen.

Über den Inhalt der ursprünglichen Sammlung und den Verbleib der einzelnen Bände herrschte lange Zeit Ungewißheit. Christa Schwarz, der ehemaligen Leiterin des historischen Bestandes der Bibliothek der Humboldt Universität, gebührt das Verdienst der bibliographischen Rekonstruktion der ursprünglichen Sammlung. Anhand der alten Inventarbücher und Übergabelisten erstellte sie in den 1990er Jahren einen Katalog des Humboldtschen ursprünglichen Buchbestands. Er verzeichnet auch Nachweise für einen großen Teil der heute in anderen Bibliotheken befindlichen Originalbände sowie von Ersatzexemplaren verschollener Bände aus dem Besitz Humboldts.

270 sprachwissenschaftliche Werke aus dem Besitz Wilhelm von Humboldts befinden sich heute als wertvoller Sonderbestand an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Zuge der dringend erforderlichen Restaurierung der Bände ermöglichte die Kooperation der Universitätsbibliothek mit dem Harald Fischer Verlag bei der Sicherungsverfilmung jetzt die Herausgabe dieses kompletten Bestands in der vorliegenden Edition.

Zweifellos wäre zu wünschen, daß Humboldts ursprüngliche Sammlung über die bibliographische Rekonstruktion hinaus auch inhaltlich wieder komplett und geschlossen verfügbar wäre. Ob und wie es möglich ist, Ersatzbände für die verschollenen Exemplare aus Humboldts Besitz nachzuweisen und als Ergänzungslieferung bereitzustellen, wird zur Zeit geprüft.

Humboldts Bibliothek

Mit etwa 240 von 270 Titeln handelt es sich bei einem großen Teil der Werke aus Humboldts Sprachbibliothek – vor allem denjenigen über asiatische, afrikanische, ozeanische und amerikanische Sprachen – um Rarissima. Die frühesten Sprachschriften aus Mittel- und Südamerika stammen von Antonio Vasquez Gastelu: Arte de lengua mexicana. Puebla de los Ángeles (1693) und von Diego Gonzales Holguin: Gramatica y arte nueva de la lengua general de todo el Peru. Ciudad de los Reyes (1607) die wahrscheinlich durch den Bruder Alexander in die Bibliothek gekommen sind.

Eine Reihe von Schriften gelten als die ersten Werke überhaupt, die sich mit einer bestimmten Sprache befassen (z.B. L. E. Threlkeld: Specimens of a dialect of the aborigines of New South Wales, Sydney 1827). Wilhelm von Humboldt selbst hatte bei Forschungsreisen etwa ins Baskenland wichtige Werke kaufen können (Manuel de Larramendi: El impossibile vencido. Arte de la lengua bascongada. Salamanca 1729). Durch seine vielfältigen diplomatischen Kontakte hatte er die Möglichkeit, auch an anderweitig kaum zugängliche Schriften zu gelangen.

Renaissance der Humboldtschen Sprachphilosophie

Humboldts Sprachphilosophie, geprägt von einer aufgeklärten Weltsicht, einer kritischen Erkenntnistheorie und einem idealistischen Wissenschaftsverständnis, bildet einen Höhepunkt der geisteswissenschaftlichen Entwicklung am Anfang des 19. Jahrhunderts. Kein hierarchisches, sondern gleichwertiges Nebeneinander der Sprachen, die Einsicht in ihre jeweilige Eigenständigkeit und Eigenwertigkeit sind unhintergehbare Positionen der Aufklärung. Mit der Positionierung der Sprache als einer Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis gibt Humboldt der Kantischen Transzendentalphilosophie eine wichtige anthropologische und historische Dimension. Das Verständnis der dialektischen Bewegung, Entwicklung und Durchdringung von Sprache, Geist und Welt sind Humboldts Versuch, die Sprache über eine einseitig objektivierte und damit reduzierte Betrachtungsweise hinauszuheben.

Der Siegeszug der historisch-vergleichenden Sprachforschung läßt Humboldts Sprachphilosophie schon kurz nach seinem Tod in Vergessenheit geraten. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewinnt sie wieder an Aktualität und kehrt ins wissenschaftliche Bewußtsein zurück. Noam Chomsky und Umberto Eco sind zwei prominente Vertreter sprachphilosophischer Strömungen, die sich wieder explizit auf Humboldts wissenschaftlichen Ansatz beziehen.